Ein Quantum Trost
Bereits zum dritten Mal in Folge untersuchte die NetFederation im Rahmen des jährlich erscheinenden „Corporate Benchmark“ auch die Human Resources (HR)-Seiten börsennotierter Konzerne der drei wichtigsten deutschen Aktienindizes DAX, MDAX und TecDAX. Der jährliche Benchmark ermöglicht Rückschlüsse auf die Qualität und Organisation der Online-Kommunikation in ihrer ganzen Bandbreite und ist eine der umfangreichsten Studien zum Stand von Online Corporate Communications in Deutschland.
Die wesentlichen Ergebnisse der aktuellen Studie lassen sich wie folgt zusammenfassen:
- Online-Stellenausschreibungen sind Standard – Hintergrundinformationen fehlen
- Online-Bewerbungen werden gefordert, aber nicht gefördert
- „Self-Assessments“ gewinnen an Bedeutung
- Die Servicebereitschaft ist erschreckend gering
- Der direkte Dialog über Social Media hält langsam Einzug
Außen hui, innen pfui
Für einen Bewerber ist das Internet die erste Anlaufstelle auf der Suche nach Informationen zu Jobchancen und Stellenanzeigen. Online-Stellenbörsen sind inzwischen Standard. Die 110 im HR-Benchmark betrachteten Unternehmen haben diese Entwicklung erkannt und schreiben mittlerweile alle ihre offenen Stellen auch online aus. Ein zentraler Aspekt bleibt dabei jedoch weitgehend unbeachtet: Weiterführende Informationen, die Bewerber als Entscheidungsgrundlage benötigen, ob sie sich bei dem jeweiligen Unternehmen bewerben möchten oder nicht. So liefert gerade einmal die Hälfte der 110 Konzerne auf den HR-Seiten relevante Hintergrundinformationen zu Unternehmen und Karriere. Und gerade diese Auskünfte bezüglich Sozialleistungen, Work-Life-Balance, Entwicklungsmöglichkeiten und Aufstiegschancen können schließlich den entscheidenden Ausschlag für bzw. gegen ein Unternehmen geben.
Hilf Dir selbst, dann wird Dir geholfen
Ebenso wie Online-Stellenausschreibungen Standard sind, verlangen auch drei Viertel aller Unternehmen inzwischen Online-Bewerbungen. Aber auch hier gerät der entscheidende Punkt ins Hintertreffen: Nur die Hälfte erläutert ihr spezielles Online-Bewerbungs-Tool und gibt Hilfestellungen zum Bewerbungsprozess. Dabei lassen gerade hier technische Hürden und komplizierte Bewerbungsformulare manchen Bewerber verzweifeln. Das führt möglicherweise am Ende dazu, dass die bereits angefangene Bewerbung abgebrochen und bei einem anderen Unternehmen mit weniger Bewerbungsbarrieren ein neuer Versuch gestartet wird. Hier verschenken Unternehmen im Wettbewerb um die besten Talente wertvolles Potenzial.
Drum prüfe, wer sich „ewig“ bindet
Eine positive Entwicklung ist im Bereich „Self-Assessment“ festzustellen. Das Angebot an freiwilligen interaktiven Bewerbungstests hat sich gegenüber 2010 vervierfacht. Bewerber können sich hierbei selbst testen und in typische Unternehmenssituationen interaktiv hineinversetzen. Durch spezifische Fragestellungen erhält der Bewerber einen Überblick über potenzielle Positionen, Stärken und Schwächen. Zudem stellen inzwischen viele Unternehmen auch Videos von ihren Mitarbeitern bereit, die über ihren eigenen Karriereweg in den verschiedenen Abteilungen und Fachbereichen des Unternehmens berichten. Auf diese Weise erhalten Bewerber einen direkten Einblick in Möglichkeiten und Chancen, der die Entscheidung für einen Jobeinstieg bei diesem Unternehmen positiv beeinflussen kann.
Vorsicht! Bewerber droht mit Anfrage
Fast 60 Prozent der HR-Abteilungen sind direkt per Telefon und/ oder E-Mail bzw. Kontaktformular erreichbar. Die übrigen 40 Prozent scheuen sich offenbar vor dem direkten Kontakt mit potenziellen Bewerbern. Dieses Verhalten ist auch an der sehr geringen Servicebereitschaft in den Abteilungen für Human Resources zu erkennen. "Keine Zeit verschwenden" - Das dachte sich denn vermutlich auch das Gros der Adressaten der im Rahmen der Studie versendeten Mystery Mails. Diese Mails enthielten konkrete Anfragen zu speziellen HR-Themen. Doch lediglich neun der 110 befragten Unternehmen antworteten auf die E-Mails der potenziellen Bewerber. Und gerade einmal drei dieser neun gingen in ihrer Antwort auch konkret auf die Fragestellung ein.
HR-Abteilungen als Trendsetter in Sachen Social Media
Social Media-Plattformen wie facebook, twitter, YouTube, Flickr oder Slideshare haben die Kommunikation in den letzten Jahren revolutioniert. Zwar zeigt die Studie, dass nach wie vor viele Konzern-Kommunikatoren dieser Entwicklung hinterher hinken, doch scheint zumindest das Bewusstsein für die enorme Bedeutung einer zeitgemäßen Kommunikation inzwischen angekommen zu sein. Vor allem ein kleiner Teil der HR-Abteilungen hat die Vorteile der Dialog-, Informations- und Feedbackmöglichkeiten von Social Media-Kanälen erkannt und nutzt diese intensiv zur direkten Ansprache potenzieller Bewerber. Bei diesen – zugegeben noch wenigen Unternehmen - ist die Social Media-Kommunikation offenbar innerhalb weniger Jahre zu einem etablierten Dialoginstrument geworden. Diese Tendenz lässt schließlich auch vermuten, dass weitere Unternehmen in Kürze nachziehen und ihre HR-Aktivitäten verstärkt auf Social Media-Plattformen ausweiten werden.
